Stammbaum der Familie Krämmer / Wacker

Die Hexenverfolgung

Diese Seite habe ich erstellt, weil die Margarete Siekmann, Vorfahrin meiner Ehefrau, im Jahre 1653 in Lemgo als  " Hexe "  hingerichtet wird .

Der Leitfaden

Der Leitfaden für die systematische Verfolgung und Ermordung von „ Hexen “ war das Buch „ Der Hexenhammer “, herausgegeben 1488 von zwei deutschen Dominikanermönchen - mit päpstlicher Druckerlaubnis . Der Vatikan sicherte den Wahnsinn noch zusätzlich durch eine päpstliche Bulle ab . Die Hexenverfolgung  entsprang dem Glaube der Menschen, dass es Menschen gebe die andere Menschen verzaubern können, im Guten wie im Bösen . Auch gäbe es Menschen die Unwetter , wie Hagelschauer heraufziehen lassen könnten . Mäuseplagen und andere unerklärlichen Naturkatastrophen wurden " Hexen "  zugeordnet . Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts starben durch den Hexenwahn in Europa nach vorsichtigen Schätzungen zwischen 40 000 und 100 000 Menschen, überwiegend Frauen ( Main - Echo, 12.3.99 ), nach anderen Schätzungen etwa eine Million . Die Hälfte der Opfer, darunter auch Kinder, starb auf dem Boden des heutigen Deutschland . Auch hier verfolgten beide Konfessionen gleichermaßen die angeblichen Hexen, für die es nach " peinlicher Befragung " unter schrecklichen Folterqualen kein Entrinnen gab . Erst die Aufklärung machte den Verbrechen ein Ende .

Der Hexenhammer wie die gesamte Hexenlehre überhaupt war durch eine ausgesprochene Frauenfeindlichkeit geprägt . Heinrich Institoris begründet seine These, dass mehr Frauen als Männer Hexen seien, mit der Geschwätzigkeit, der Bosheit, der Leichtgläubigkeit, dem Zorn, der Rachsucht, der Lüge, der Eitelkeit und dem Unglauben dieses Geschlechts . Wenn andere konventionelle Hexentraktate oft überraschend sparsam ihren Frauenfeindlichen Standpunkt entfalten, deutet das nicht auf diesbezügliche Zweifel hin, sondern ist eher ein Zeichen dafür, dass den Dämonologen die stärkere Veranlagung der Frauen als der Männer zur Hexerei als so selbstverständlich erschien, dass sie mehr als kurze Hinweise darauf für überflüssig hielten .
Die Hexenlehre war also eindeutig darauf angelegt, vorwiegend Frauen als Hexen zu verfolgen. Trotzdem schloss sie nicht aus, dass auch Männer dem Teufel erliegen könnten . In Deutschland wurden die Hexenprozesse etwa zu 75 % gegen Frauen geführt . Die These von der Hexenverfolgung als Frauenverfolgung kann deshalb nicht vollständig, aber doch hauptsächlich bestätigt werden .
Die Hexenlehre, ein kompliziertes , in lateinisch geschriebenen Büchern niedergelegtes System, war direkt nur den Gebildeten zugänglich, welche zu dieser Zeit einzig und allein Männer waren . Die Hexenverfolgung fand vor allen Dingen in Süddeutschland und in nicht ganz so starkem Masse in Westdeutschland statt . Besonders in Süddeutschland betraf sie alle Bevölkerungsschichten . Wie sie in der Grafschaft Lippe auf die Obrigkeit, die Justiz und die Geistlichen gewirkt hat, soll im folgenden untersucht werden .

 

Die Hexenverfolgung in der Grafschaft Lippe

Die Entscheidung über die Zulassung oder Durchführung von Hexenprozessen fiel in Deutschland auf der Ebene der Territorialobrigkeiten . In der Grafschaft Lippe gab es allerdings die Besonderheit, dass die Stadt Lemgo in der Handhabung ihrer Hochgerichtsbarkeit autonom war . Doch sowohl die Grafen, die im 16. und 17. Jahrhundert die Herrschaft innehatten, als auch die Bürgermeister Lemgos, die den Vorsitz vor dem " Peinlichen Gericht " führten, erkannten die Hexenlehre als Wahrheit an . Sie akzeptierten den Schadenzauber als Indiz für Hexerei und erlaubten die Verfolgung von Hexen als Dienerinnen des Teufels im öffentlichen Interesse .

Die Juristen

Von den Juristen in der Grafschaft Lippe wurde die Hexenlehre übernommen . Bei der Prozeßführung galt die Hexerei als häretischer Begriff und die Machenschaften des Teufels wurden in den Vordergrund gerückt . Standartisierte Fragenkataloge für die Angeklagten und die Zeugen, die nach der Hexenlehre ausgerichtet waren, wurden seit den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts die Regel .
Der Verfolgungswille der Juristen war in der Grafschaft Lippe regional differenziert vorhanden . In Lemgo förderte der Rat die Prozessführung
, das dörfliche Gogericht hingegen wirkte auf die Hexereibeschuldigungen hemmend, da der Kläger befürchten mußte, dort nicht zum Ziel zu kommen oder sogar bestraft zu werden .
Auch die Frauenfeindlichkeit der Hexenlehre wurde von den Juristen übernommen und drückte sich direkt in der Art ihrer Prozeßführung aus . In den lippischen Dörfern zum Beispiel sortierten die Strafverfolger die verdächtigten Männer in der Regel als harmlose Fälle aus und gingen dem Verdacht nicht weiter nach . Nur bei Männern mit stark abweichendem Verhalten strengten sie einen Prozeß an .
Ein weiteres Beispiel ist Lemgo. Hier befanden sich unter den Personen, die Hexen auf der Folter als Komplizen besagt hatten, relativ gesehen mehr Männer als unter den Angeklagten und unter diesen wiederum mehr als unter den Verurteilten . Für Frauen war demzufolge die Gefahr, dass eine Besagung zu einer Verurteilung führte, größer, als sie unter denselben Umständen für einen Mann war . Trotzdem erhöhte sich der Anteil der hingerichteten Männer in Lemgo von ca. 6 Prozent in den Jahren 1628-1637 auf ca. 25 Prozent nach 1653 . Auf dem Höhepunkt der Verfolgung  fiel also die primäre Orientierung auf das Geschlecht weg .
Die Ausführungen zeigen, dass den Juristen eher Frauen als Männer für das Hexereidelikt anfällig schienen und sie Frauen härter als Männer verfolgten . Auf dem Land und bis zu den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts auch in den Städten kann deshalb die These von einer Frauenverfolgung durchaus bestätigt werden . Für die Zeit der Massenprozesse jedoch ist sie fehl am Platz .

Die Geistlichen

Bei den Geistlichen muß bezüglich der Hexenprozesse zwischen der geistlichen Führungsschicht, zu denen in Lippe die Superintendenten und theologischen Professoren gehörten, und den einfachen Dorfpfarrern unterschieden werden .
Für die geistliche Führungsschicht standen bei Hexenprozessen der Bund mit dem Teufel, die Sorge um das ewige Leben und die Gefahr der Ansteckung anderer im Vordergrund . Die Schadensdelikte selbst wurden als nebensächlich angesehen .
Sie argumentierten also, wenn sie um Rat gefragt wurden, genau nach der Hexenlehre, bei welcher ja auch das Hauptcharakteristikum der Hexen der Teufelspakt war . Eine Besonderheit bei einigen war, dass sie dem Teufel beinahe göttliche Macht einräumten, was zu einer fanatischen Verfolgungsbereitschaft führte .
Auch den Dorfpfarrern war die Hexenlehre bekannt . Doch waren sie zu sehr in die Dorfangelegenheiten verwickelt, um dies Theorem in den Vordergrund zu stellen . Auch konnten sie sich eher in die Lage einer Verdächtigten hineinversetzen .
Viele Pfarrer zeigten eine geringe Bereitschaft, bei Zaubereidelikten hart und schnell durchzugreifen, andere trugen zur Auslösung von Prozessen bei . Ein eindeutiges Verhalten kann hier nicht festgestellt werden .
Nur die geistliche Führungsschicht nahm die Hexenlehre mit ihrer Frauenfeindlichkeit als Maßstab bei den Hexenprozessen . Die einfachen Pfarrer waren so sehr in die Angelegenheiten ihrer Gemeinde verwickelt, daß ihr Verhalten jenem der Bevölkerung, welches nachfolgend erörtert wird, entsprach .

Zusammenfassung

Die Obrigkeit, die Juristen und die Geistlichen von Lippe waren alle von der Wahrheit der Frauenfeindlichen Hexenlehre überzeugt . Die Verfolgungspraxis der Justiz, welche von der Obrigkeit legitimiert und von der geistlichen Führungsschicht unterstützt wurde, war durch Misogynie geprägt . Eine Ausnahme bilden die einfachen Geistlichen, welche nur teilweise die Justiz in ihrem Verfolgungseifer unterstützten . Die Hexenprozesse in Lippe wurden gemäß der Hexenlehre geführt . Es wurden zwar nicht ausschließlich, aber doch hauptsächlich Frauen verfolgt .

Hexenverfolgung in Lemgo

Dr. Johan Stute

Die Hexenverfolgung in Lemgo begann etwa 1625 mit dem Bürgermeister Dr. Johan Stute . Während seiner Amtszeit und unter seiner Führung kam es zu etwa 25 Hexenprozessen . Mit ihm begann die erste Periode der Hexenverfolgung in Lemgo . Dr. Johan Stute wurde etwa 1577 in Herford geboren . Er studierte ab dem 2. November 1606 Jura an der Ruprecht - Karls - Universität in Heidelberg und schloss sein Studium mit dem Doktortitel ab. Am 23.12.1614 wurde er Bürger der Stadt Lemgo ( Bürgerbuch Nr. 2161 und 3270 ) . Etwa im Jahre 1615 heiratete er in Lemgo die Tochter von Johann Derenthal . Ihr Vorname ist nicht bekannt . Von 1625 - 1635 war er im Zweijahresturnus Bürgermeister der Stadt . Er war als verantwortlicher Bürgermeister in diesem Zeitraum an mindestens 23 Hexenprozessen maßgeblich beteiligt. Der Bürgermeister der Stadt Lemgo war immer der Vorsitzende des " Peinlichen Gerichts " . " Peinliches Gericht " war das Gericht in deren Prozessen es um Leben und Tod des Beklagten ging . Mit Dr. Stute begann die erste Verfolgungsperiode von „ Hexen "  in Lemgo, die sich von 1628 – 1637 erstreckte .

Dr. Heinrich Kerkmann

Dr. Johann Stute, wechselte sich als Bürgermeister mit Dr. Henrich Kerkmann im Zweijahresrythmus ab . He(i)nrich Ker(c)kman(n) wurde am 13. Dezember 1587 in Lemgo in der westfälischen Grafschaft Lippe geboren . Sein Vater Henrich ( + 1603 ) entstammte einer Familie von landesherrlichen Bedienten in der benachbarten Grafschaft Ravensberg ; als juristisch gebildeter Kanzler bekleidete er eines der ranghöchsten bürgerlichen Ämter im Dienst des lippischen Grafen . Die Mutter Anna Erp - Brockhausen gehörte einer seit Jahrhunderten in Lemgo ansässigen Bürgermeister - und Gelehrtenfamilie an .

Kerkmann wuchs in einem lutherischen Elternhaus auf und besuchte Schulen in Lemgo und Salzuflen ; als Hauslehrer überliefert sind Anton Backhaus (später luth. Pfarrer zu Lemgo St. Marien, + 1637) und Valentin Melasius (später Jurist in Jena) . Gemeinsam mit diesem bezog er 1608 die Universität Rostock, wo er vier Semester lang Jura studierte . Nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt von etwa einem Jahr bei der Mutter in Lemgo folgten nochmals insgesamt fünf Jahre Studium in Gießen, wo er 1616 mit einer Arbeit aus dem Bereich des Zivil -, Kirchen - und Lehnsrechts promovierte . Bislang nicht nachweisen ließ sich die Angabe der Leichenpredigt, wonach er in Gießen nur den Lizentiatentitel erwarb und erst 1619 an der Universität Marburg den Doktorgrad .

Für kurze Zeit trat Dr. Kerkmann nun als Rat in den Dienst des Herzogs August zu Braunschweig-Wolfenbüttel, bis ihn familiäre Pflichten wiederum zurückriefen . Um 1621 wurde er dauerhaft im Lemgoer Elternhaus auf der Neustadt ansässig . Durch seine Ehe mit Elisabeth, einer Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Jobst Wippermann, festigte Kerkmann seine soziale und familiäre Spitzenposition in der Stadt . So war es nicht verwunderlich, daß er seit 1626 mehrfach zum Bürgermeister von Lemgo gewählt wurde, obwohl er bislang noch keine niedrigeren Ratsämter bekleidet hatte . Die Position des Bürgermeisters wechselte er im Zweijahresrythmus mit Dr. Johan Stute . Diese Verfahrensweise war in den Lemgoer Statuten so vorgesehen . Zugleich stand er beim lippischen Herrscherhaus in hohem Ansehen : Für den Grafen Otto aus der Nebenlinie zur Lippe - Brake unternahm er eine Reise nach Prag ; um 1640 war er für mehrere Jahre als Geheimer Rat des Grafen Philipp zu Schaumburg-Lippe tätig ; und nicht zuletzt unterhielt er zeitlebens enge Beziehungen zur Stammresidenz in Detmold, wo man ihn 1649 zum Hofgerichtsassessor berief, d. h. zum Beisitzer an einem der beiden lippischen Obergerichte . Nicht nur von der Herkunft, sondern auch vom Werdegang her gesehen, verkörperte Kerkmann somit einen Mischtyp zwischen dem Stadtbürger und dem bürgerlichen Gelehrten im Fürstendienst .

Doch diese glänzende soziale Ausgangsposition erfuhr eine harte Bewährungsprobe im Dreißigjährigen Krieg, der auch für Lemgo und für Kerkmann persönlich zur Leidenszeit geriet . Die Stadt wurde zweimal geplündert, das undankbare Amt des Bürgermeisters kostete nun zweifellos besonders viel Zeit und Kraft . Nachdem seine Frau 1634 verstorben war, ging Kerkmann zwei Jahre später eine neue Ehe mit Maria Magdalena Vilthut ein, die aber nur acht Wochen später einer Pestepidemie erlag . Obwohl selbst ebenfalls erkrankt, kam der Witwer mit dem Leben davon . Auffällig lange, fünf Jahre, wartete er, bis er ein drittes Mal heiratete . Die Wahl zum Bürgermeister 1637 nahm er nicht an .

Gleichzeitig mit der öffentlichen und privaten Zuspitzung der Krise häuften sich die Hexenprozesse in Lemgo - wie vielerorts zu dieser Zeit . In den Jahren 1628 - 37 fielen der ersten großen Verfolgungswelle des 17. Jahrhunderts mindestens 86 Personen, davon 81 Frauen, zum Opfer . In seinen ersten Amtsperioden zwischen 1626 und Januar 1631 wirkte Kerkmann daran mit, die städtische Hexenjustiz zu perfektionieren und die Hinrichtungskosten durch Abkehr von der Verbrennungsstrafe niedrig zu halten, was eine Ausweitung der Exekutionen ermöglichte . Entsprechend dem in Lemgo üblichen Brauch von zwei einander abwechselnden Ratsbesetzungen, wurde Kerkmann seit 1639 regelmäßig alle zwei Jahre zum Bürgermeister gewählt . So war er, der in der Stadt als Experte für Hexensachen galt, auch an der zweiten, ebenfalls sehr intensiven Lemgoer Prozeßwelle von 1653/56 maßgeblich beteiligt, gemeinsam mit seinem Studienfreund und langjährigen Mitarbeiter, dem Stadtsekretär Johannes Berner .

Obwohl sich gegen Kerkmanns autoritäres Regiment zeitweise aus den Reihen der Bürgerschaft und konkurrierender Führungsfamilien ( Kleinsorge ) heftiger Widerstand regte, behielt er das Heft bis zum Schluß in der Hand . Folgenschwer war die Tatsache, dass es ihm gelang, noch kurz vor seinem Tod seinem Nachfolger Hermann Cothmann den Weg zur Macht zu ebnen : Die harte Kerkmannsche Linie eigentlich nur fortsetzend, blieb allein dieser als „ Hexenbürgermeister "  im kollektiven Gedächtnis der Stadt Lemgo .

Nach kurzer Krankheit starb Kerkmann am 26. März 1666 in seiner Geburtsstadt . Als Kampf eines „ christlichen Ritters" gegen den Teufel und gegen „ die Welt / die gantz im Argen liegt" (Leichenpredigt), wollte er seine Amtsführung verstanden wissen. Aus seiner dritten Ehe mit Catharina Elisabeth Than aus Lübbecke (1641) überlebten ihn sechs Kinder, wovon ein Sohn ebenfalls zum Lemgoer Bürgermeister gewählt wurde . Nach dessen Tod zog die Witwe fort, und das Wohnhaus verfiel allmählich . Bekannt als  „ Alte Abtei " , beherbergt es heute die städtische Volkshochschule. Schräg gegenüber erinnert das Museum  „ Hexenbürgermeisterhaus "  auch an Kerkmanns Wirken in der Stadt .

Dr. Hermann Cothmann

Herman(n) Cothman(n) (* 1629 in Lemgo, + 1683 ebd.) wurde am 1. Mai 1629 in Lemgo geboren, der damals größten Stadt der westfälischen Grafschaft Lippe . Sein Vater Dietrich war Abkömmling einer der ältesten Führungsfamilien der Stadt, aus der auch Hermanns Großonkel, der bekannte Jurist und Rostocker Professor Ernst Cothmann hervorgegangen war ; die Mutter Catharina Goehausen gehörte einer aus Brakel im Fürstbistum Paderborn stammenden Beamten - und Gelehrtenfamilie an, ihr Bruder Hermann Goehausen war Rechtsprofessor in Rinteln . Doch konnten die Eltern den Anspruch, den sie mit dem Erwerb eines prächtigen Hauses in der Neustadt dokumentiert hatten, in der unruhigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges nicht einlösen : Der Vater blieb wirtschaftlich und politisch weitgehend erfolglos, seine Frau fiel gar 1654 einer Welle von Lemgoer Hexenprozessen zum Opfer .

Nach dem Schulbesuch in Lemgo, Osnabrück und Herford studierte Hermann Cothmann 1649-51 in Rostock und 1657 - 59 in Jena insgesamt acht Semester Jura . In der Zwischenzeit war er bei einer Adelsfamilie auf Rügen als Hofmeister angestellt, verfolgte aber auch dort gerichtliche Auseinandersetzungen mit und gelangte schließlich als Begleiter seines Schützlings wieder an die Universität . Geldmangel und soziale Isolation - der schlechte Ruf seiner hingerichteten Mutter hing ihm an - trübten die Studienzeit .

1661 kehrte Cothmann nach Lemgo zurück und trat die juristische Praxis an . Nachdem inzwischen auch der Vater verstorben war, konnte eine Zwangsversteigerung des belasteten und verfallenen Elternhauses nur mit Mühe verhindert werden . Am 12. Februar 1663 heiratete er Christina Elisabeth, eine Tochter des fürstlich osnabrückischen Vogts Wilhelm de Baer zu Dissen . Am 28. November desselben Jahres leistete er den Bürgereid .

Für seine nun folgende rasche politische Karriere in der Stadt war entscheidend, dass er schnell Eingang in den Personenkreis um den mächtigsten Mann der Stadt fand, den langjährigen Bürgermeister Dr. Henrich Kerkmann . Dieser designierte Cothmann gleichsam zu seinem Nachfolger, indem er ihn am 16. Januar 1666 durch den Stadtrat zum  „ Directore des Peinlichen Processus c[on]t[ra] die Unholden und Hexen "  wählen ließ . Die Nachfolgefrage war zu dieser Zeit aus mehreren Gründen akut geworden : Die Führungsspitze des Rates war selbst für frühneuzeitliche Verhältnisse völlig überaltert, und mit der Selbstbezichtigung eines jungen Mädchens hatte sich 1665 eine neue Hexenprozeßwelle angekündigt - nach 1628/37 und 1653/56 sollte es die dritte große in diesem Jahrhundert werden . Denn Cothmann setzte die Tradition seines Vorgängers Kerkmann, eines für seine unbarmherzige Strenge berüchtigten Juristen und Spezialisten für die Hexenverfolgung, so intensiv fort, daß er bereits im ersten Amtsjahr 37 Todesurteile fällte .

Im Januar des folgenden Jahres 1667 wurde er zum Bürgermeister gewählt und übte diese Funktion mit Ausnahme von 1669 und 1674 ununterbrochen bis zu seinem Tod aus - bis dahin ein einmaliger Fall in der Lemgoer Stadtgeschichte, da bislang die umschichtige Regierung von zwei verschiedenen Ratsbesetzungen üblich gewesen war . In den Jahren 1665 - 69, 1675/76 und 1681 fielen den Hexenverfolgungen rund hundert Menschen zum Opfer, davon der überwiegende Teil unter seiner Verantwortung . Unter den Hingerichteten waren überdurchschnittlich viele Männer und Angehörige der oberen bürgerlichen Schichten, darunter der Ratsapotheker David Welmann und der Pfarrer Andreas Koch .

Cothmann gehörte der lutherischen Konfession an, deren Beibehaltung die Stadt Lemgo 1617 nach langen Auseinandersetzungen mit den reformierten lippischen Grafen verbrieft erhalten hatte . Begünstigt durch diese besondere politische und rechtliche Lage, die dem Rat u. a. auch die fortgesetzte Ausübung der Blutgerichtsbarkeit ermöglichte, erlangte er eine bedeutende Machtstellung, die er zur Errichtung eines autoritären Regiments nutzte . Die autokratischen Züge seiner Herrschaft lassen sich zum einen als zeittypische Tendenz deuten, zum anderen aber verweisen sie auf die bislang nicht beachtete Tatsache, daß Cothmann in der Lemgoer Stadtgesellschaft relativ isoliert war und über keine  „  Hausmacht " im Rat verfügte . Möglicherweise trug diese mangelhafte Verwurzelung in der Stadt auch zur ungehemmten Eskalation der Verfolgungen bei, hatte der Bürgermeister doch keine persönlichen Rücksichten zu nehmen . Zwar klagten seine Gegner aus den Gremien der Bürgerschaft, er regiere  „ wie ein Monarcha "  und bereichere sich, effektiver Kontrolle entzogen, am Eigentum der Stadt und seiner Mitbürger ; trotzdem stützte der lippische Graf aus Furcht vor Unruhen im Zweifel stets die Herrschaftsgewalt der  „  Herren von Lemgo " . Wie sein Vorgänger Kerkmann stand auch Cothmann dem lippischen Landesherrn sehr nahe, der ihn schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister zum gräflichen  " Landrat "  angenommen und mit Kommissionen betraut hatte .

Als die Verfolgungen in Lemgo immer noch andauerten, obwohl man sich vielerorts schon davon distanziert hatte, sprach schließlich sogar das Reichskammergericht vom  „ blutdürstigen Gemüth des unbarmhertzigen Richters und Bürgermeisters Kothmann " . Zu dieser Zeit, um 1682, führte die nach einem Hexenprozeß der Stadt verwiesene Maria Rampendahl  durch ihren Ehemann einen Prozeß gegen die Obrigkeiten in Lemgo und Detmold, der schließlich für den schweren Vorwürfen ausgesetzten Rat gerade noch glimpflich ausging . Cothmann starb wenige Tage nach der Urteilsverkündung an einer langwierigen fiebrigen Erkrankung ; nach seinem Tod wurde eine Wiederaufnahme des zuletzt heftig umstrittenen Hexenprozesses vom Rat nie mehr erwogen . Das Image einer Hochburg der Hexenverfolgung blieb gleichwohl an Lemgo haften . Indem sich die Erinnerung an sein Wohnhaus mit der prächtigen Renaissance - Fassade  „ Hexenbürgermeisterhaus “ knüpfte, behielten die Lemgoer Cothmann als dämonischen  „ Hexenbürgermeister "  im Gedächtnis .

 

   

 

weitere Informationen im Web :

http://www.lemgo.de/hexenbuergermeisterhaus.htm